Biberfelle – Zahlungsmittel und Rechengröße in Kanada.

Im Norden Amerika, in Kanada, führte der Reichtum an Pelztieren zur Erschließung das flächenmäßig zweitgrößte Landes der Erde. Zahlenangaben verdeutlichen nicht so anschaulich die riesige Ausdehnung Kanadas wie der Vergleich der Entfernung Neufundland – Vancouver  mit der Strecke von London bis nach Neufundland. Von London nach Kanada ist es nicht so weit wie in Kanada von Ost zur Westküste. Nur fünf Jahre nach der ersten Reise von Kolumbus gelangten der in englischen Diensten stehenden John Cabot ( gest.1498 ) 1497 nach Neufundland. Der Franzose Jacques Cartier entdeckte 1534 den mächtigen St.-Lorenz – Strom und gründete Neufrankreich / Nouvelle France. Cartier trat in Verbindung mit den Indianern und begann mit ihnen einen regen Tauschhandel. Erster Gouverneur von Neufrankreich wurde Samuel de Champlain ( 1567-1635 ). Unter ihm wurde 1608 die Stadt Quebec gegründet. Montreal folgte 1642. Zwei Franzosen, Pierre Esprit Radisson ( 1604?-1710? ) und sein Schwager Medard Chouart, Sieur des Groseilliers ( 1618?-1696? ), waren vermutlich die ersten Weißen, welche die Gebiete nördlich und westlich der Großen Seen erkundeten. Mit dem Gouverneur von Neufrankreich, Baron d’Argenson, hatten sie Differenzen. Sie unternahmen ohne Lizenz und ohne seine Genehmigung eine Kanureise in die Wildnis. Zurück kamen sie mit Fellpacken im Wert von 200 000 Livres, eine ungeheure Summe zur damaligen Zeit. Der Baron konfiszierte die Ladung, stellte beide Männer vor Gericht und warf sie für zwei Monate ins Gefängnis. Wieder in Freiheit erhielten sie nur ein Fünfzehntel der Felle zurück. Um ihr Recht zu fordern, reisten Radisson und des Groseillies nach Paris zu Ludwig XIV. Doch beim Sonnenkönig fanden sie kein offenes Ohr. Voller Grimm wandten sich nun beide an Frankreichs Feinde, die Engländer. Zu der Zeit herrschte Charles II. Sein Cousin, Prinz Rupert von der Pfalz, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Cumberland, empfing die zwei Franzosen und hörte sich ihre Schilderung an. Gebildet wie er, kannte er die diversen Reisen von Cabot, Frobisher Hudson, Baffin und anderen, und stellte fest, dass Radisson und des Groseilliers Land und Leute kannten und vortreffliche Erfahrungen bezüglich der Indianer besaßen, deren Sprache sie beherrschten. Auf die Fürsprache von Prinz Rupert hin wurden zwei Schiffe für die Expedition zur Hudson Bay ausgerüstet, die Eaglet und die Nonsuch ( nur 10,8m lang, Wasserverdrängung 43 Tonnen ). Mit gebrochenem Hauptmast mussten die Eagler bald umkehren. Die Nonsuch mit des Groseilliers an Bord hatte Erfolg. Sie kehrte 1668 mit Biberfellen im Wert von 19 000 Pfund Sterling zurück. Die dafür eingesetzten Tauschwaren hatten nur 950 Pfund gekostet. Ein Bombengeschäft. Charles II. war zufrieden. Adlige und Kaufleute taten sich zusammen und gründeten die Gesellschaft The Governor and Company of Adventures of England travelling into Hudson’s Bay. Ein königlicher Freibrief ( Royal Charter ) von 1670 sprach der Hudson’s Bay Company ( HBC ) den Besitz an allen Flüssen, die in die Bay mündeten sowie alles Land das zum Einzugsgebiet dieser Flüsse gehört, zu. Niemand hatte auch nur eine Ahnung davon, dass die HBC damit Anrecht auf ein Gebiet von rund 3,7 Millionen Quadratkilometer erhielt.
Bemerkenswert auch die Tatsache, dass die Krone keine Abgaben oder Prozente verlangte. Das Gebiet nannte man Ruper’s Land. Es umfasste den Großteil des Nordens des heutigen Ontario und der Provinz Quebec, Manitoba, fast ganz Saskatchewan, die Südhälfte von Alberta und einen großen Teil der Northwest Territories. Bald kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Franzosen und Engländern, an denen auch Kriegsschiffe beteiligt waren. Die umkämpften Handelsstationen wechselten zuweilen die Besitzer. Das alles hatte mit dem Frieden von Utrecht 1713 ein Ende. Nach einiger Zeit tauchte ein neuer Rivale des HBC auf, die Northwest Company, gegründet von schottisch-kanadischen Pelzhändlern in Montreal. Der nicht immer unblutige Konkurrenzkampf wurde aus Vernunftgründen 1821 dergestalt beendet, dass die Northwest Company in der HBC aufging. Für die Fusion sprach einerseits die Tatsache, dass in Alaska durch die Russen eine Gefahr entstanden war und dass auf der anderen Seite die USA immer stärker wurde. Beide Gesellschaften, die ursprüngliche HBC und die Northwest Company, hatten in ihren Reihen unerschrockene und tüchtige Männer, denen sie viel zu verdanken hatten. Henry Kelsey von der HBC durchstreifte 1690 als Erster die Prärie und studierte das Leben der Reiterstämme, mit denen er freundschaftliche Beziehungen pflegte. Er veranlasste, dass dort, wo die Indianer die Pelztiere fingen, Handelsposten angelegt wurden. Damit wurde die französische Konkurrenz- auch durch persönliche Kontakte- ausgeschaltet. Schließlich stieg Kelsey zum stellvertretenden Governör der HBC auf. Als solcher erhielt er ein Jahressalär von 100 Pfund. Das war nicht wenig, wenn man es mit dem Honorar in Höhe von 200 Pfund von Sir Christopher Wren vergleicht, dem Architekten der St. Paul’s Cathedral in London. Alexander Mackenzie von der Northwest Company entdeckte 1789 den nach ihm benannten Strom und stand 1793 als erster Weißer am Arktischen Meer, nachdem er den Kontinent durchquert hatte. Der König ehrte ihm mit dem Titel SIR. Diese Reisen erweiterten die Kenntnisse über das Land und förderten die Geschäfte der Gesellschaften, denn ursprünglich brachten die Indianer die Felle zu den Handelsposten an der Hudson Bay beziehungsweise am St. Lorenz –Strom und den Großen Seen. Manche Stämme waren praktisch nur Zwischenhändler. Stammeskriege konnten die Lieferungen unterbrechen. Also zogen die Händler in die Jagdgründe der Indianer. In der weglosen Wildnis war das nur mittels Kanu über die Seen und Flüsse möglich. Ideal dafür geeignet waren die indianischen Rindenkanus. Man konnte sie auf den so genannten Portages, den Tragstellen, von Gewässer zu Gewässer tragen. Die Montrealer verwendeten zwei Kanutypen. Das canut du Maltte ( 9,5m lang 1,45m breit 0,6m Tiefgang ) diente dem Transport von Montreal bis zur Grande Portage an der Westküste des Oberen Sees. 14 Paddler beförderten mit ihm 60 Packen zu jeweils 90 englische Pfund bei dieser Geschwindigkeit von acht bis zehn Kilometer in der Stunde. Die kleineren  canots du nord ( ca. 7m lang ) kamen mit sieben Kanufahrern aus, beförderten aber auch nur 25 Packen. Sie waren es, die am weitesten in die Wildnis vorstießen. Die entferntesten Handelposten erforderten Kanureisen über 5000 km. Sie mussten in der ziemlich kurzen eisfreien Zeit vorgenommen werden. Voyageurs wurden die Kanufahrer genannt. Coureurs de bois, Waldläufer, sammelten die Felle bei den Indianer ein. Doch der Ferntransport war nur mit dem Kanu möglich. Riesige Strapazen nahmen die Pelzhändler auf sich, doch der Tauschhandel mit den Indianer war äußerst profitabel. Für ein Gewehr mussten diese ursprünglich so viele Biberpelze übereinander legen, bis die Mündung des senkrecht stehenden Gewehrs erreicht war. Doch bald gab es auf den Handelsposten entsprechende Preislisten , bei denen die Preise in Biberfellen angegeben waren. Andere Felle wurden in Biberfelle umgerechnet. Einem Bieberfell entsprachen zwei Otterfelle, drei Zobelfelle , vier Fuchsfelle usw. Eine Bärendecke galt gleich zwei Bieberfellen. Die Handelsposten verfügten über eine breite Palette praktischer Artikel, die von den Indianer begehrt und die auch von den Jägern und Händlern benötigt wurden.

 

                                           Prinz Ruper         
                                                 Ruprecht von der Pfalz, Herzog von Cumberland
                      
                                  Rupertsland
                                              Rupersland

 

Hier eine kleine Auswahl :

Artikel                  

Preis in Biberfellen

Preis in
Bieberfellen

Preis in
Bieberfellen    

 

 

1733

1748

1863

 

1 Hemd                   
1 Hose
1 Wolldecke
1 Kochkessel
2 Äxte
   1Perkussionsgewehr
20 Feuersteine für Flinte
10 Kugeln
½ Pfund Schießpulver
1 Skalpiermesser                                      

       1
       3
       6
       1
       1

                             

       1

 

                                  

 

 

 

 

 

        1

        1
        1

       3
       9
     10
     16
       6

     20

        2

 

 

              
             Hudson’s Bay Company
                            Incorporated 2 May 1670

Zur Vereinfachung der Abwicklung von Einkauf und Verkauf erhielten die Trapper und Indianer von der HBC ein kleines Holztäfelchen und ab 1854 eine Metallmarke ( Token ) als ,, Biberwertzeichen’’, als Nachweis für ein abgeliefertes Bieberfell. Auf  der einen Seite sieht man das Wappen der HBC mit dem Wahlspruch PRO PELLE CUTEM ( etwa: Für ein Fell riskiere ich meine Haut, ) und auf der anderen Seite die die Angaben HB für Hudson’s Bay Company, EM und 1NB. NB stellte einen des Stempelscheiders dar. Gemeint war MB/ Made Beaver, also galt 1 MB für ein zugerichtetes Biberfell. Für EM gibt es zwei Interpretationen. Nach der einen soll es für English Manufactory stehen. Larry Gingras, der Gründer der Canadian Numismatic Rescatch Sociery gibt an ,,East Main, the district where the token were to be used.’’ Außer den Tokens zu ,,einem Biberfell’’ waren auch solche zu einem Viertel, Halb oder Achtel Biberfell in Umlauf. Das unterstreicht die Rolle des MADE BEAVER  als Währung. Diese Messing Token sind die bekanntesten. Solche aus Aluminium, in den Wertstufen 1,5,10 und 20 M.B.- jetzt richtig für Made Beaver- gab es im St. Lawrence Labrador District auf Grund der 1922 erfolgten Verschmelzung des Labrador -und des St. Lorenz- Distrikts . Die letzten von der HBC ausgegebenen Tokens bestanden ebenfalls aus Aluminium und wurden 1946 erstmals emittiert. Das Besondere an ihnen ist, dass sie außer HBC nur Zahlenangaben aufweisen, und zwar 5,10,20,50 und 100. Sie sollten die Eskimos/Inuit in den Gebieten der östlichen Arktis an die regulären Zahlungsmittel im Dezimalsystem heranführen. HBC- die Abkürzung für die Hudson’s Bay Company- wurde von deren Angehörigen oft als Here Before Christ interpretiert. Das war einerseits ein Scherz, doch andererseits war man sich voll und ganz dessen bewusst, dass es für Pelzhandel unerlässlich war, den Indianern ihre Lebensform zu erhalten. Missionare waren da seitens der HBC nicht gefragt, ebenso wenig Ansiedler und Alkohol. Die Nordwest Company praktizierte anfangs den Tauschhandel Pelze gegen Alkohol. Nach der Verschmelzung mit der HBC wurde den Angehörigen das Geschäft mit Alkohol strengsten untersagt, weil ,, Feuerwasser’’ eine verheerende Wirkung auf Indianer ausübt. Die HBC ist die älteste existierende Handelsgesellschaft der Welt. Sie gibt es heute noch in Kanada. Nur haben sich ihre Geschäftsfelder verändert und einige ihrer früheren Rechte und Privilegien hat sie an den Staat abgetreten. Mehr als 300 Jahre Geschäftstätigkeit schlugen sich in einer Fülle von Geschäftsunterlagen und karten nieder. Sie füllen in einer Länge von mehr als 2 km die klimatisierten Gewölbe der HBCA, das Archivs der HBS in Manitoba. Für ,, Primitivgeld’’ wahrlich ein Rekord. Und wenn es auch im Umlauf keine Tokens der HBC mehr gibt, manche kanadischen 5 Cent Stücke zeigen noch den Biber, dem Kanada soviel zu verdanken hat.                 

                                                                 Haupthändler McDonald, das den Fraser absteigt